Kennt Ihr schon diese neue Miet-Show auf rtl2? Das ist die, bei der man sich als Pärchen für eine Wohnung bewirbt und gegen Mitbewerberpärchen antritt – „Haus oder raus!“, immer Freitags um 18.00 Uhr.
Bevor wir gar nichts finden, was uns gefällt und wir auf suspekte Wohnungsvermittler und ihre dubiosen Geschäfte reinfallen, haben wir uns bei der Show als Pärchen beworben. Wir wollten diese Wohnung wirklich haben! Drei Zimmer mit großem Südbalkon, im zweiten Stock, Wannenbad, zwei gleichgroße Zimmer und ein kleines. Punktum: unsere Traumwohnung im Friedrichshain.
Also sind wir um punkt 12 Uhr vor dem Haus gewesen und das war auch schon die erste Prüfung – Pünktlichkeit. Geschafft! Ein Pärchen kam zu spät und ist gleich rausgeflogen. Wir hatten nur noch 14 Konkurrenz-Paare!
Die letzte Runde hieß „Faxen machen“, und gewinnen sollte das Paar, das am schnellsten den 38-seiten Bewerberbogen ausfüllen und von einem Faxgerät, was in der Rummelsburger Bucht auf einem kleinen Boot angebracht war, ins Büro des Verwalters schicken würde. Wir hatten dafür fünf Minuten Zeit. Der Bogen war für uns kein Problem, da wir sämtliche mögliche Angaben für die Runde zuvor schon auswendig gelernt hatten.
Nach nur einer guten Minute waren wir damit fertig und rannten die Treppen runter, auf die Straße, zur Bucht. Wir sprangen ins eiskalte Wasser, schwammen 50 Meter bis zum Boot und hielten dabei den Bewerberbogen hoch in die Luft, damit er nicht nass würde. Am Boot angekommen, hievten wir uns klatschnass hinein. Unsere gefährlichsten Konkurrenten, das Pärchen aus Görlitz, sprang schon hinter uns ins Wasser. Wir mussten schnell eine Kurbel drehen, damit der Generator für das Fax angeworfen wurde. Er brummte laut und es roch nach Benzin. Wir froren, das Fax fing an zu rattern! Marianne, die früher im Schwimmkader der DDR trainiert hatte, kam immer näher und hatte schon ihren um Hilfe rufenden Freund rücksichtslos hinter sich gelassen.
Mit zitternden Händen legte ich den Bogen ins Fax, mein Freund wählte die Nummer des Verwaltungsbüros und wir sahen zu, wie der gierige Schlund der Maschine die Blätter verschlang. Plötzlich fing das kleine Boot an zu wackeln, Marianne stieg ein und schlug mir fest mit der flachen, nassen Hand von hinten aufs Ohr. Meinen Freund schubste sie vom Fax weg, und er fiel zur Seite ins Wasser. Ich krallte mich an ihren Haaren fest als sie versuchte unsere Blätter aus dem Gerät zu ziehen. Sie stieß mir ihren Ellebogen in den Magen und ich krümmte mich vor Schmerzen auf dem Boden des Bootes zusammen. Mein Freund rief mir vom Wasser aus zu, ich solle nicht so verbissen sein und aufgeben. Mir war schlecht.
Inzwischen waren auch schon der Vermieter und ein paar Leute vom Verwaltungsbüro mit kleinen Tretbooten zu uns gekommen. Die Kameramänner von rtl2 waren ja die ganze Zeit schon dabei. Der Verwalter rief uns mit dem Megaphon zu, dass die anderen zwei Paare es nicht geschafft hätten und wir die beiden letzten seien. Diese Information spornte mich an. Ich raffte mich auf, rief meinem Freund zu, er solle mir verdammt noch mal die 38 Seiten unseres Bewerbungsbogens geben. Marianne hatte sie alle ins Wasser geworfen. Ich wusste aber, dass uns nur noch die drei letzten Seiten fehlten, die ersten 35 waren schon durchs Fax gelaufen.
Ich griff Marianne, die wankend vorm Fax stand, von hinten mit beiden Händen in den Hosenbund und warf sie im großen Bogen vom Boot. Mein Freund fing sie auf, hielt sie fest und tauchte sie unter Wasser. Ich friemelte die letzten drei Seiten zusammen, legte sie aufs noch laufende Fax, drehte noch mal kräftig an der Kurbel und sah, wie der Sendeberichtsbalken bei 100% ankam. Laut jubelnd und mit Tränen in den Augen sprang ich zu meinem Freund ins Wasser und wir küssten uns vor den Kameras. Marianne schwamm zurück ans Ufer und fiel ihrem Freund heulend in die Arme.

